Interview mit Florentine von Beyond Beer

Im Zuge des ersten Geburtstags von Beyond Beer in der Hamburger Weidenallee habe ich mit Florentine in ihrer Funktion als Geschäftsführerin ein Interview zum Laden und Craftbeer an sich geführt. 

Beyond Beer // Herr Lutz

Florentine, zu Beginn meinen Dank für deine Zeit und die Möglichkeit mit dir etwas detaillierter sprechen zu können. „Beyond Beer“ gibt es nun bereits seit über einem Jahr. Wie erging es euch? Welche Schwierigkeiten musstet ihr überwinden oder lief alles direkt nach Plan?

Beyond Beer ist ein sehr emotionales Projekt für uns, da wir uns damit einen persönlichen Traum erfüllt haben. Wir alle haben bereits lange vor der Eröffnung enorm viel Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt. Natürlich lief nicht von Anfang an alles nach Plan. Unser größtes Problem war die Ladensuche, da kaum ein Vermieter an unser Konzept geglaubt hat. Acht Monate mussten vergehen bis wir endlich ein Zuhause für „Beyond Beer“ gefunden hatten. Wiederum positiv war die enorme mediale Aufmerksamkeit, die das Thema Craft Beer in Deutschland im letzten Jahr auf sich gezogen hat. Abgesehen davon war es sicherlich unser hoher Anspruch, ein äußerst vielfältiges und enorm hochwertiges Sortiment in unseren Regalen zu haben sowie die bestmögliche Beratung zu liefern, der dazu beigetragen hat, dass wir auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurückschauen dürfen.

Ein Laden mit vier Inhabern, klingt schön, aber in der Praxis wird man wohl nicht immer einer Meinung sein? Wie geht ihr damit um?

Wir sind zwar vier Gründer, aber nicht alle im Tagesgeschäft tätig. Klaas arbeitet hauptberuflich als selbstständiger Grafik-Designer und Max und Ronald sind in ihrem Großhandel für Bierspezialitäten stark eingebunden, sodass ich als Geschäftsführerin die operativen Dinge im Alltag meist allein entscheide. Der Vorteil bei unserer Konstellation ist, dass uns alle die Leidenschaft für gutes Bier vereint, wir aber ansonsten sehr unterschiedliche, wertvolle Kompetenzen mitbringen. Die Aufgabenfelder sind daher klar verteilt. Größere Entscheidungen wurden bisher immer sehr friedlich getroffen.

Beyond Beer // Herr Lutz

Euer Sortiment umfasst ja mehr oder weniger das weltweite Craftbeer-Spektrum. Wie gelangt ihr an die ganzen Exoten und wie bzw. wer wählt das Sortiment aus oder entscheidet, welches Bier seinen Platz im Regal findet?

Wir beziehen unsere Ware fast ausschließlich von unserem Schwester-Unternehmen, dem Brausturm Bierverlag, der von Max und Ronald vor 2 1/2 Jahren ins Leben gerufen wurde. Die beiden sind Experten hinsichtlich Import und Zoll-Abwicklung aus dem Ausland und pflegen sehr gute Kontakte zu vielen der Brauereien, die wir vertreten. Ansonsten halten wir alle immer Augen und Ohren offen, um neue, noch unbekannte Brauereien aufzutreiben. Letztendlich kommt keine Brauerei bei uns in die Regale, von deren Produkten wir uns nicht selbst vorab überzeugt haben. Alternativ helfen auch unabhängige Bewertungsplattformen wie ratebeer.com, wo Menschen aus aller Welt Biere bewerten können.

Lehnt ihr auch Biere oder ganze Marken bzw. Brauereien ab? Welche Kriterien muss man erfüllen um sein Produkt im „Beyond Beer“ Sortiment wiederzufinden?

Darüber haben wir anfangs viel philosophiert. Wir sind dann zum Entschluss gekommen, dass es ein einziges Kriterium gibt, bei dem wir keine Kompromisse machen, und das ist die Qualität der einzelnen Biere. Darüber schließen sich viele Brauereien von selbst aus. Außerdem ist uns Transparenz hinsichtlich der verwendeten Rohstoffe und der Herstellung wichtig. Ein weiteres nicht unwesentliches Kriterium ist die Philosophie der Brauereien, die uns gefallen muss und die Geschichten, die hinter den einzelnen Bieren stecken. Uns reizen mit Leidenschaft hergestellte klassische Biere von kleinen deutschen oder belgischen Traditionsbrauereien ebenso wie abgefahrene neu interpretierte Bierstile von den jungen Wilden der Bierszene, die mit Ihren Bieren vor allem polarisieren wollen.

Beyond Beer // Herr Lutz

Die Szene wächst und entwächst auch langsam der Subkultur. Wie geht ihr mit wachsenden Interesse um und wie ist eure Haltung zu den auf den deutschen Markt drückenden Amerikanern wie Stone Brewing und Brooklyn Brewery?

Wir sehen das als Teil des Facettenreichtums von Craft Beer. Das Schöne ist eben, dass sich nach wie vor jeder seine eigene Meinung bilden kann was für ihn noch Craft Beer und Subkultur ist. Wir selbst sehen uns natürlich sehr nahe bei den nicht so finanzstarken Mikrobrauereien, da wir einen ähnlichen Weg gehen und mit geringen Mitteln Stück für Stück versuchen, uns etwas aufzubauen. Brauereien wie Stone Brewing und Brooklyn Brewery haben da selbstverständlich ganz andere Mittel. Nicht zuletzt machen diese aber eben auch wieder mehr Leute auf das Thema aufmerksam und viele dieser Leute werden dann neben Stone und Brooklyn auch auf die kleineren Vertreter wie z.B. Buddelship, Kehrwieder und Hopfenstopfer aufmerksam. Davon profitieren alle.

Mit einem Laden im Hamburger Epi-Zentrum für Trends und solche, die es noch werden wollen – sprich der Schanze: Wie steht ihr zu den Hamburger Locals, versucht ihr sie bewusst stärker zu fördern als deren Kollegen aus anderen Bundesländern und Regionen?

Wenn Kunden völlig unbedarft zu uns kommen und versuchen, sich Orientierung im großen weiten Feld der Bierspezialitäten zu machen, legen wir schon vielen Kunden zunächst Biere aus der Region beziehungsweise aus Deutschland nahe. Ein gewisser Lokal-Patriotismus ist da sicherlich dabei, wir haben einfach enorm gute Biere aus Hamburg und Norddeutschland im Sortiment. Nebenbei haben deutsche Biere auch einen preislichen Aspekt, da sie oft günstiger sind als ihre ausländischen Kollegen. Da wir aber auch so viele unfassbar spannende Brauereien aus zum Beispiel Belgien, Skandinavien, Groß Britannien oder den USA im Sortiment haben, deren Biere zum Teil absolut einzigartig sind, macht es auch großen Spaß, die Kunden mit diesen Schätzen zu überraschen.

Das Angebot an Craftbeer wird mittelfristig wohl noch weiter wachsen. Wie werdet ihr auf das immer größer werdende Angebot in Zukunft reagieren? Wird der Keller bald zur Verkaufsfläche ausgebaut?

Unser Konzept ist ja, einen Teil unseres Sortiments immer wieder durch neue, noch unbekannte Juwelen zu erweitern bzw. auszutauschen. Wir sind immer auf der Suche nach Neuem, sodass der Umfang unseres Sortiments eher gleich bleibt, sich aber dennoch regelmäßig aktualisiert. Das freut unsere Stammkunden und uns gleichermaßen. Es wird aber in der Tat zunehmend eine Herausforderung, da unser Platz natürlich beschränkt ist und die Auswahl an reizvollen Brauereien auf dem nationalen und internationalen Markt immer größer wird.

Beyond Beer // Herr Lutz

Nachdem ihr nun ausreichend Zeit als Bindeglied zwischen den Brauern und den Konsumenten verbracht habt, wie seht ihr die momentane Craftbeer-Landschaft?

Enorm Vielfältig. Von der Pale Ale produzierenden Gigabrauerei (ABINBEV) bis zum kleinen Hobbybrauer, der gerade neu startet (Circle 8 Brewing), ist alles dabei. Die Szene ist definitiv bunt. Was wir allerdings sehen ist, dass die Kreativität im Ausland noch deutlich höher ist als in Deutschland. Ausgefallene Biere kommen mit wenigen Ausnahmen immer noch mehrheitlich aus dem Ausland. Hier glauben wir aber, dass die große Anzahl an neuen Brauereien dafür sorgen wird, dass viele Brauer intensiver an Ihrem Produktprofil arbeiten und sich eventuell stärker in eine bestimmte Richtung fokussieren.

Öfter kommt der Tenor durch, dass nun die Zeiten für einige Brauer härter werden würden, da nach dem anfänglichen kollegialen Miteinander nun allmählich der Konkurrenz-Druck oder gar -Kampf beginnt. Seht ihr dies ähnlich oder gar gegenteilig? Besonders vor dem Hintergrund, dass ihr bereits von Beginn an mit dem Craftbeerstore in der indirekten Nachbarschaft einem kompetenten Mitbewerber gegenüber standet.

Wir glauben schon, dass es einen Konkurrenzkampf gibt, wobei dieser soweit wir das erleben noch mit sehr fairen Mitteln ausgetragen wird und insbesondere unter den kleineren Brauereien keine Missgunst herrscht. Der Markt ist noch lange groß genug für alle und ich denke das wissen die Brauer. Wie schon zuvor gesagt glauben wir aber, dass es sehr wichtig ist sich ein Profil zu geben und einen Fokus zu verfolgen. Wenn alle nur noch Pale Ale und IPA brauen, werden einige es eventuell nicht schaffen. Wir würden uns mehr Spezialisierung wünschen. Dies ist auch unser Fokus hinsichtlich des Craftbeerstores hier in Hamburg. Wir haben gezielt viele Brauereien und Bierstile im Sortiment, welche unsere Nachbarn nicht anbieten. Auch das Erscheinungsbild unseres Ladens ist gezielt ein anderes. Hamburg ist definitiv groß genug für uns alle.

Beyond Beer // Herr Lutz

Vermisst ihr noch etwas in eurem eigenen Sortiment, etwas das euch selbst noch fehlt?

Es gibt sicherlich Biere von der ein oder anderen Brauerei, die wir sehr gern in unserem Sortiment hätten, deren Kapazitäten allerdings so beschränkt sind, dass diese Biere nicht so leicht zu beschaffen sind. Umso mehr freuen wir uns dann immer wieder, wenn wieder neue Errungenschaften bei uns ankommen. Abgesehen davon sind wir mit unserem Sortiment sehr zufrieden.

Gibt es Pläne für eure Zukunft als Kollektiv „Beyond Beer“ oder auch Solo-Projekte über die ihr schon etwas sagen könnt?

Uns schwirren viele Projekte im Kopf herum und es kommen immer weitere Ideen dazu. Sehr konkret arbeiten wir aktuell in erster Linie an unserem Onlineshop, der in Kürze live gehen wird. Alles andere ist noch nicht spruchreif. Aber langweilig wird es nicht!

Beyond Beer // Herr Lutz

Alle Fotos © Beyond Beer und Uta Gleiser
In Form des Presse-Kits von Beyond Beer für dieses Interview zur Verfügung gestellt.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere