Craftbeer im Weinfass: Wildwuchs Bock o’Vin

Selbstverständlich ist die Reifung von Whisky in alten Wein- und Sherry-Fässern ein geläufiges Thema. Die Craftbeer-Szene kommt ebenfalls zunehmend auf den Geschmack.

Auf der Altonale hatte Fiete vom Wildwuchs Brauwerk seine Zapfanlage aufgebaut und die geneigten Gäste mit erstklassigem Craftbeer versorgt. Soweit so gut, für mich und besonders für die durstigen Besucher der Altonale bei den ungewohnt sommerlichen Temperaturen in der Hansestadt. Ich war besonders neugierig auf das angekündigte Bock o’Vin: Ein Bockbier, das nach seiner Fertigstellung noch mal in ein Weinfass kommt, um weitere Aromen auf und dann auch mit ins Glas zu nehmen – ein Bier-Tuning, falls man das sagen möchte.

2015-07-05 13.55.41

Nun hatten wir eigentlich ein kurzes Video geplant um die Hintergründe dieser neuen Bier-Kreation im kurzen Gespräch zu erörtern, die Live-Band machte uns im Bezug auf den Ton leider einen Strich durch die Rechnung, sodass nun doch weiter gelesen werden muss:

Fiete, sei doch so nett und stell dich in kurzen Worten meiner Leserschaft vor, die dich bisher vielleicht noch nicht kennen gelernt hat:
Ich bin Fiete, Friedrich Matthies, 28Jahre alt, geboren und aufgewachsen auf Finkenwerder, gelernter Brauer und Mälzer, Diplom-Braumeister und Biersommelier. Und Eigentümer des Wildwuchs Brauwerk Hamburg.

Dein erstes Bier war, soweit ich weiß, das Fastmoker Pils auf das dann zur Saison das Bock o’Orange folgte. Nun legst du mit dem Bock o’Vin nach und begibst dich in ganz experimentelle Gefilde: Fassreifung, wie kam es dazu und was war die genaue Grundlage?
Das Bock O’Vin ist ein Bockbier, ganz mild gehopft, aber dafür zwölf Wochen in Fässern aus Französischer Eiche, in denen vorher Hamburger Rotsporn gereift ist, ausgebaut. Ich bin selbst kein großer Rotwein Fan aber ich mag sehr gerne Bratensoßen mit leichten Wein Aromen. Und da habe ich mich gefragt ob vielleicht ein etwas dunkleres, kräftiges (7,9 %) Starkbier mit Holz- und ein wenig Weinaromen nicht auch schmecken könnte. Und das tut es 🙂

Du sprichst von drei Monaten Lagerung bzw. Reife des Bieres. Als Whisky-Trinker muss ich die Frage stellen: Nur drei Monate, wieso nicht länger?
Das Bockbier war ja schon ausgelagert als es in die Fässer gewandert ist. Dort ging es nur noch darum ein wenig der Aromen des Fasses aufzunehemen. Dafür reichen 12 Wochen locker. Oder? 

Du hättest ein Fass weiter lagern sollen, vielleicht 24 Wochen und wir hätten eine Vergleichs-Verkostung unternommen 😉 Woher kamen die verwendeten Fässer und wird es da in Zukunft noch mehr geben? Ich denke in Richtung von Sherry-, Portwein- oder aber auch Apfelmost-Fässer… Letzteres würde auf Grund unserer Nähe zum Alten Land doch auf der Hand liegen?
Die Fässer kamen von der Hamburger Rotsporn AG. Ich fand das ganz passend, da der Rotwein ja wie mein erstes Bier auch einen Niederdeutschen Namen hat. Von denen werde ich sicherlich keine anderen Fässer bekommen, da die ja „nur“ Rotwein veredeln. Ich werde sicher zusehen weiterhin Biere in Holzfässern auszubauen. Und Apfelmost-Fässer werden sicherlich auch einmal den Weg in meine Brauerei finden. Aber das muss wohl leider warten bis ich meine neue Braustätte bezogen habe.

Meinerseits vielen Dank für deine offenen Worte und selbstverständlich auch für das gekonnte Zapfen der Biere. Wie sieht die Zukunft des Wildwuchs Brauwerks aus, d. h. welches Bier kommt als nächstes, welchem Bierstil wirst du in Zukunft eventuell mehr oder weitere Aufmerksamkeit widmen – was dürfen wir davon schon jetzt erfahren?
Vielleicht werde ich auch mal wieder etwas obergäriges einbrauen. Mal sehen wie der Sommer nun weiter geht. Ich muss ja auch mit meinen Tankkapazitäten gut haushalten. Es wird aber mit Sicherheit wieder was neues, wildes geben.

Fragt in eurer Stammkneipe nach, ob dort schon Wildwuchs Fastmoker Pils und vielleicht eines der beiden Bockbiere Bock o’Orange oder Bock o’Vin zu haben ist. Falls nicht, wendet sich euer Wirt vertrauensvoll an Fiete und klärt die Einzelheiten.

 

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