Baltic Trip 2015 – Teil 2/2

Mit der Expressfähre Linda Line ging es für uns über die Ostsee von Helsinki nach Tallinn, die Fahrt dauert keine zwei Stunden und man kommt im Norden der Altstadt an.

Zu Fuß knappe fünf Minuten über die Linnahall bis zur dicken Margarete, einem der Wehrtürme Tallinns Stadtmauer, und dann ist man schon mitten im Geschehen. Alles was mir in Helsinki fehlte, hielt Tallinn für mich bereit: Gutes Essen, vernünftige Preise, historische Gebäude und – das wichtigste überhaupt – freundliche, gut gelaunte Menschen. Seit 1997 gehört Tallinns Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe, absolut gerechtfertigt, wie ich finde!

Tallinn // Herr Lutz

Man merkt deutlich, dass der Tourismus für Tallinn eine der Haupteinnahmequellen ist, jedoch meine ich dies nicht negativ, die Inszenierung der Altstadt und ihrer Geschichte als Hansestadt im Mittelalter ist überaus charmant umgesetzt. Hinzu kommt, dass es innerhalb der Stadtmauer sicherlich ein wenig teurer ist, das Gefühl abgezockt zu werden kommt zu keiner Zeit auf.

Tallinn // Herr Lutz

Eigentlich bin ich kein Fan von Hostels, aber das 16EUR Hostel Fat Margarets hat seine Vorzüge: Das Doppelzimmer kostete mit eigenem Bad und wirklich sehr großem Zimmer gerade mal €17,- pro Person und Nacht. Es war recht sauber und die Lage absolut perfekt. Die Sauberkeit war ausreichend, ich fragte mich zwar wann wohl die Fenster das letzte Mal geputzt worden sind oder ob die Dusche mal ein Anti-Schimmel-Mittel zu spüren bekommen würde, aber es war aus meiner Sicht nichts gravierendes zu beanstanden.

Tallinn // Herr Lutz

Tallinn // Herr Lutz

In der Altstadt reihen sich die Souvenir-Fachgeschäfte aneinander, sodass ausreichend Möglichkeiten für die obligatorische Postkarte nach Hause bestehen. Unterbrochen wird dies durch schöne Cafés, Pubs, Bars und gute Restaurants. Die Preise schwanken ein wenig, aber ein großes Bier gibt es meist für unter €3,-. Das mit Abstand teuerste Restaurant war das Olde Hansa unweit des Rathausplatzes, es handelt sich hier um ein Themen-Restaurant, das sich komplett dem Mittelalter verschrieben hat. Die Kellner sprechen sehr laut und mit einer etwas altertümlich angehauchten Note, sind in historische Gewänder gekleidet und gegen Mittag spielten die Musikanten auf und unterhielten die Speisenden mit Laute und Flöten. Dazu gibt es verschiedenste Speisen und Getränke, Zimt-, Honig- und Kräuterbier in jeweils zwei handlichen Größen: Das Kleine gibt es zu 0,5 Liter, das Normale im 1 Liter Tonkrug – mir hat das sehr gefallen!! 🙂

Tallinn // Herr Lutz

Die Geschichte der Stadt ist geprägt von vielen großen Ereignissen wie mittelalterlichen Kriegen und Kämpfen wie bspw. gegen die Dänen oder Unabhängigkeitskriege mit Russland. Nicht zuletzt durch die Hanse ist deutsche Einfluss allgegenwärtig und es finden sich an den historischen Gebäuden ständig Gedenktafeln für deutsche Architekten usw.. Bemerkenswert finde ich auch das Denkmal zum Fährunglück der „Estonia“ auf der Ostsee 1994 bei dem insgesamt 852 Menschen den Tod fanden. Tallinn // Herr Lutz Coco hatte unsere Weiterreise nach Riga mit Zug geplant. Als ich am Schalter des Bahnhofs stand, sah mich die nette Dame hinter dem Sicherheitsglas verdutzt an und erklärte mir, dass es keine Zugverbindung von Tallinn nach Riga gibt. Was immer Coco mit Hilfe von Google Maps da auch gefunden haben mag, am Schalter gab es das nicht! Nach kurzer Verwunderung störte uns das nicht weiter und wir planten um: Flugzeug und Fähre schieden aus, da der Flug zu teuer gewesen wäre und es auch keine Fährverbindung der beiden Ostsee-Metropolen gibt. Ein Mietwagen wäre uns dann am liebsten gewesen, „one way“ über die Grenze war aber nicht zu bekommen, sodass wir die letzte Variante dankend nutzten: Den Lux Express Fernbus für €23,- pro Person mit Wifi und einer Fahrtdauer von knapp 4 1/2 Stunden.

Passing the border #Estonia / #Latvia on our busride to #Riga

Ein von Michael Jerry Lutz (@jerry1507) gepostetes Foto am

Auf Grund von diversen Baustellen auf der Strecke dauerte die Fahrt dann etwas über fünf Stunden, aber dafür war der Bus wirklich sehr komfortabel und selbst ich überstand die Zeit ohne am Ende wirklich genervt zu sein, froh aus der Büchse raus zu dürfen war ich dennoch! Auch in Riga stiegen wir wieder in einem Radisson Blu ab, genauer im Hotel Latvija. Es liegt wunderbar zentral am Park Esplanade gelegen. Die gesamte Radisson-Kette ist selbstverständlich ein Business-Hotel dessen Angebot sich an Geschäftsreisende richtet, aber mit Fitness-Studio (7:00 Uhr bis 09:00 Uhr inkl., danach +€23,-/Person und Tag), Pool (+€23,-/Person und Tag) und Skybar (+€3,- Eintritt pro Person und Tag oder alternativ irgendeinem Club beitreten bla bla uninteressant)  zu werben und dann am Ende für alles gehörigen Aufpreis zu verlangen, grenzt an Frechheit! Riga // Herr Lutz Die Stadt Riga selbst wurde im Reiseführer und auf entsprechenden Seiten im Internet als interessant und schön und überhaupt unglaublich toll angepriesen. Nun, dem möchte ich nicht gänzlich widersprechen, aber dieser Lobhudelei kann ich mich (leider) nicht anschließen. Die Gebäude der historischen Altstadt sind mit Sicherheit ’ne Wucht. Die Lage direkt an der Ostsee und zwischen; wie wir bei der Anreise sehen konnten; wunderschönen Nationalparks machen die Stadt mit Sicherheit sehr attraktiv. Jedoch befinden sich viele der alten Gebäude momentan in der Restauration und die Straßenzüge fernab der Innenstadt zeichnen noch ein eher herunter gekommenes Bild Rigas. Riga // Herr Lutz Hinzu kommt die schlechte Qualität des Essens in den Restaurants die wir besucht haben. Keines davon kann ich empfehlen, lediglich das Bier ist gut und der Preis ist angemessen. Auch diese sehr eigene Art der Leute sich dumm zu stellen, wenn man die Frage nicht beantworten kann oder will oder es einem einfach egal ist, was das Gegenüber von einem will. So weigerte sich eine erwachsene Frau zu verstehen, was eine Briefmarke sein soll oder auch eine Servicekraft im Hotel uns eine neue Kanne Kaffee zu bringen. Mit einem „Nein“ kann ich leben, aber dieses durch Hilflosigkeit getarnte „Leck mich doch“ macht mich rasend! Riga // Herr Lutz Von der Altstadt führte uns unser Spaziergang durch die Parks Bastejkalna und Kronvalda, die beide wirklich äußerst gepflegt und toll angelegt sind. Für alle Nerds: In beiden Parks gibt es kostenloses und vor allem schnelles Wifi! Die Stadt Hamburg sollte hier umgehend mal nachlegen… In dem Gebiet um die Parks herum finden sich auch die Botschaften verschiedenster Länder von Russland über Finnland bis natürlich auch zur deutschen Vertretung. Interessant wie unterschiedlich die einzelnen Schutzmaßnahmen ausfallen: Russland mit hohem Zaun und Wachleute, Finnland zeigt hinter und über den Stahltoren ein ganzes Sortiment an Überwachungskameras und Deutschland hat ’ne Tür mit ’ner Klingel. Riga // Herr Lutz Über wohl ganz Riga verteilt findet man immer wieder Statuen und Denkmäler von Poeten, Musikern und Architekten. Man hat ein Faible für die überlebensgroße Darstellung von toten Intellektuellen. Hier und da findet sich auch ein wenig Street Art, meist beschränkt sich dies jedoch auf Tags der verschiedenen Sprayer, aber ab und an findet sich auch witziges wie diese beiden Stencils:

 

Some Street Art found in Riga!! 🙂

 

Ein von Michael Jerry Lutz (@jerry1507) gepostetes Foto am

Um auch mal wieder zum Ende zu kommen: Ich bin von Riga leider nicht so begeistert wie von Tallinn oder Stockholm. Jedoch war der Grund unseres Baltic Trip 2015 das Reisen an sich und das schließt eben jegliche Erfahrung ein, die guten und die weniger guten. Ich bin froh, mir diese vier Städte direkt nacheinander in Form eines Roundtrips angesehen zu haben und die Erinnerungen an das Erlebte zu haben, denn nur wer dort war und es gesehen hat, kann sich eine wirkliche Meinung bilden. Somit würde ich jedem den Besuch der Region und auch der Städte ans Herz legen. Persönlich bin ich jedoch nur von Stockholm und Tallinn positiv beeindruckt, Helsinki und Riga blieben weit hinter meinen Erwartungen, sodass ich bei diesen beiden einen wiederholten Besuch eher ausschließe. Zumindest bilde ich mir ein, dass man in diesen beiden Städten den ehemaligen Einfluss der Sowjets noch spüren kann und da mir diese Lifestyle-Note persönlich weniger liegt, schließe ich einen Besuch in St. Petersburg in naher Zukunft ebenfalls aus. Aber wer weiß, vielleicht es ergibt sich, vielleicht auch nicht. Eine konkrete Planung strebe ich bis auf Weiteres jedoch nicht an 🙂

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